VOR: „1-2-3-Ticket muss ausfinanziert sein“

Lisa-Marie Stauffer/ Juni 7, 2021

Fünf Bundesländer haben die Umsetzung des 1-2-3-Tickets vereinbart, die VOR-Region mit Niederösterreich, Wien und dem Burgenland allerdings noch nicht. Laut einem VOR-Sprecher spieße es sich an der langfristigen Finanzierung.

Noch heuer soll das österreichweite 1-2-3-Ticket umgesetzt werden – das ist der Plan von Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne). Vorgesehen sind drei verschiedene Tickets für den gesamten öffentlichen Verkehr in einem Bundesland (365 Euro pro Jahr), für zwei Länder (730 Euro) oder für das gesamte Bundesgebiet (1.095 Euro). Während das österreichweite Ticket noch heuer kommen soll, gibt es für die regionalen Tickets noch keinen Zeitplan

Beim Verkehrsverbund Ostregion (VOR), der den öffentlichen Verkehr für Niederösterreich, Wien und das Burgenland verwaltet und sich für eine „Lösung aus einem Guss“ ausspricht, um „den Fahrgästen die Wahlfreiheit zu ermöglichen“, sorgt das für Kritik, betont Pressesprecher Georg Huemer gegenüber noe.ORF.at. Denn diese Gesamtlösung müsse realistisch ausfinanziert sein.

Lösungsorientierte Gespräche

Derzeit führe man auf Expertenebene intensive Verhandlungen. Die zuletzt vom Bund zugesagten 100 Millionen Euro Abgeltung für die beiden regionalen Tickets bezeichnet der VOR als „überraschende Nennung“. Der Ostregion würden davon 43,7 Millionen Euro zufallen, also etwas weniger als die Hälfte, obwohl die Region als „Hotspot“ des öffentlichen Verkehrs gelte. Hier würden 60 Prozent der österreichischen Fahrgäste die Verkehrsmittel nützen, die Region schließe das flächenmäßig größte Bundesland ebenso mit ein wie die Bundeshauptstadt Wien und den Spezialfall Burgenland, von wo aus viele Fahrgäste zwei Bundesländer durchqueren.

Allein der Einnahmenentfall, weil die Tarife mit den Tickets gesenkt werden, würde in der Ostregion je nach Szenario einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen, sagt Huemer. Der Ausbau des Bus- und Bahnangebots sei da noch gar nicht einberechnet. Dafür fehle derzeit jeglicher Finanzierungsplan, so der VOR: „Wenn mit einem 1-2-3-Klimaticket das Tarifniveau massiv gesenkt und zusätzliche Fahrgäste gewonnen werden sollen, braucht es dringend Zusatzmaßnahmen, sonst drohen Kapazitätsengpässe und überfüllte Busse und Bahnen.“

Die Verhandlungen bezeichnet Huemer aber als „lösungsorientiert“, eine rasche Einigung sei derzeit denkbar. Auch wenn viele Details noch offen seien, hält der Verkehrsverbund das 1-2-3-Ticket für alle Fahrgäste in Österreich noch für heuer umsetzbar.

red, noe.ORF.at/Agenturen

4. Juni 2021, 6.34 Uhr

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