Mehr auf Schiene, Autos nur emissionsfrei

Lisa-Marie Stauffer/ Juli 16, 2021

Erst vor zwei Tagen hat die EU-Kommission in Brüssel einen Vorschlag präsentiert, der vorsieht, dass in der EU ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden sollen. Der österreichische Plan sieht das schon für 2030 vor, sagte Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei der Präsentation am Freitag. Große Bedeutung soll künftig dem Schienenverkehr zukommen.

„Die Zukunft des Autos steht unter Strom“, sagte Gewessler. Im Juni seien bereits 13,9 Prozent der Neuzulassungen auf Elektroautos entfallen. „Wir haben uns ins absolute Spitzenfeld vorgearbeitet.“ Und dieser Weg soll konsequent weiterverfolgt werden: „Wir wollen vorzeigen, wie wir gemeinsam das Verkehrssystem umbauen können, so, dass wir unser Klima schützen und die Menschen davon profitieren“, kündigte Gewessler an.

In Österreich soll bis zum Jahr 2040 Klimaneutralität erreicht werden. Derzeit kommen noch rund 30 Prozent der heimischen Emissionen aus dem Verkehrsbereich – mit dem Mobilitätsmasterplan 2030 soll dem ein Ende bereitet werden. Fünf Ziele sollen den Weg in Richtung sauberen Verkehr aufzeigen und ermöglichen, hieß es bei der Vorstellung des Regierungsplans am Freitag.

Erster Punkt ist eben das Ziel, dass ab 2030 nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden. Des Weiteren sollen Nachtzüge sukzessive Kurzstreckenflüge ersetzen. Bis zum Jahr 2024 wollen die ÖBB 26 Liniennachtzüge anbieten. „Wir werden unsere vollen Kapazitäten auf der Schiene mobilisieren“, kündigte ÖBB-Chef Andreas Matthä an. Bis 2040 soll die Leistungsfähigkeit auf der Schiene verdoppelt werden, außerdem planen die ÖBB die Digitalisierung des Bahnbetriebs. All das sei „kein Selbstzweck“, sondern notwendig.

Mehr Güter auf die Schiene

Als weiterer Punkt wurde die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene genannt – anders sei die Klima- und Verkehrswende nicht zu schaffen, sagte Matthä. Derzeit liegt der Anteil des Güterverkehrs bei 31 Prozent, bis 2040 soll er auf 40 Prozent steigen. Der Transport mit der Bahn spart im Vergleich zum Lkw 40-mal mehr CO2, sagte Matthä.

Vierter Punkt des Mobilitätsplans ist die Erhöhung der Mobilität aus eigener Kraft, also zu Fuß gehen und Radfahren. Insgesamt soll der Anteil der Wege, die aus eigener Kraft zurückgelegt werden, bis 2040 auf 35 Prozent steigen. Derzeit trifft das auf 23 Prozent aller Strecken zu. Abschließend nannte Gewessler den Einsatz grünen Treibstoffs für Flugzeuge und Schwerverkehr. Dazu gehören etwa E-Fuels oder Wasserstoff in der Luftfahrt oder im Schwerverkehr.

Flüge nur noch ohne Emissionen

2040 sollen alle Flugzeuge in Österreich emissionsfrei unterwegs sein, sagte Gewessler. 2035 sollen in Österreich alle Lkws, die neu zugelassen werden, emissionsfrei fahren. Dafür ist auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur erforderlich. Entlang der Autobahnen und Schnellstraßen gibt es derzeit 156 Ladepunkte für Pkws. Bis Ende des Jahres sollen es 200 sein.

„Damit erreichen wir das Ziel, dass alle 65 Kilometer am Autobahnen- und Schnellstraßennetz eine Ladestation zur Verfügung steht“, sagte ASFINAG-Vorstand Josef Fiala. Bis zum Jahr 2024 soll es außerdem Ladestationen für schwere Lkws geben. Auch für Wasserstoff-Lkws soll eine Infrastruktur errichtet werden, die ASFINAG ist derzeit auf der Suche nach Kooperationspartnern.

„Herkulesaufgabe“ ohne Alternative

Der vorgelegte Mobilitätsmasterplan hat 60 Seiten und könne als „Karte und Kompass“ gesehen werden. „Es ist ein Plan mit dem, was wir brauchen, damit uns die Mobilitätswende gelingt. Wir haben nun viel Arbeit vor uns, um all das zu konkretisieren“, sagte Gewessler. Christian Hochfeld, Direktor der Initiative Agora Verkehrswende, sprach von einer „Herkulesaufgabe“, bis 2040 die Klimaneutralität zu erreichen. „Klimaschutz sichert die Freiheit der Zukunft“, sagte Hochfeld. Die Katastrophen derzeit – gerade in Deutschland – würden aber zeigen, „dass wir keine andere Alternative haben“.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßte den Masterplan, nun müsse aber rasch die Umsetzung konkreter Maßnahmen folgen. Die Klimaziele seien erreichbar, wenn durch den Ausbau von Infrastruktur und Angeboten klimafreundliches Mobilitätsverhalten ermöglicht wird und ausreichend Anreize gesetzt werden, diese Angebote zu nutzen. Zentral sei die Zusammenarbeit auf allen Ebenen – Bund, Länder sowie Städte und Gemeinden.

red, ORF.at/Agenturen

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