Geschäftsbericht 2019

WER WIR SIND

Die “ARGE ÖVV– Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Verkehrsverbund-Organisationsgesellschaften OG” bildet als österreichweiter Zusammenschluss der Verkehrsverbund-Organisationsgesellschaften (VOG) eine wichtige Management- und Strategieebene in der Branche des öffentlichen Verkehrs. Durch Zusammenarbeit und Informationsaustausch sollen Prozesse optimiert und Synergien genutzt werden, um den öffentlichen Verkehr in Österreich weiter zu attraktivieren, zu verbessern und weiterzuentwickeln. 

Die Gründung der ARGE ÖVV geht auf das gemeinsame Ziel der Verkehrsverbünde zurück einen Rahmen für die Verkehrsauskunft Österreich VAO GmbH zu schaffen. Das Ziel der Verbundkooperation ist es, Synergien durch gemeinsame Projekte und Wissensaustausch zu heben, Einfluss auf Politik und Branche zu nehmen und ein bundespolitisches Gegengewicht zu anderen starken Branchenspielern zu erreichen.

Die ARGE ÖVV als Datendrehscheibe

Eines der Aufgabengebiete der ARGE ÖVV ist eine österreichweit einheitliche Online-Verkehrsinformationsplattform für den öffentlichen Nah-, Regional- und Fernverkehr zu entwickeln und zu betreiben. Dabei sollen sowohl Soll- als auch Echtzeitdaten, sowie Störmeldungen für den Endkunden abrufbar sein.

Solldaten: Von den Verbünden zugelieferte Fahrpläne werden im Datensammelsystem (DASS) gesammelt und für die Beauskunftung in der Verkehrsauskunft Österreich (VAO) aufbereitet und bereitgestellt.

Echtzeit: Über die ARGE-Datendrehscheibe (DDS) werden alle von den Verkehrsunternehmen bereitgestellten Abweichungen (Verspätungen, Gleisänderungen) in Echtzeit an die Verkehrsauskunft Österreich (VAO) übermittelt.

Störungsmeldungen: Der HAFAS Information Manager (HIM) der ARGE ÖVV ist die zentrale Plattform für die österreichweit flächendeckende Störungskommunikation in Richtung Verkehrsauskunft Österreich (VAO).

Infrastrukturnetze: Die ARGE ÖVV übernimmt mittels des Fahrplanbearbeitungssystems (FBS) die österreichweite Datenkoordination der Infrastrukturnetze der Verbünde und koordiniert den Datenaustausch.

Die ARGE ÖVV als Netzwerk

Zur Bearbeitung und Weiterentwicklung verbundübergreifender Themen und Fragestellungen, sowie zur besseren Nutzung von Synergien wurden die Arbeitsgruppen der ARGE ÖVV einberufen, in denen ein Austausch von Fachexpertinnen und –experten stattfindet.

Die ARGE ÖVV engagiert sich zudem in den öffentlichen Verkehr betreffenden Projekten, österreichweit als auch grenzübergreifend.

ENTSTEHUNG

2011 wurde ein Kooperationsübereinkommen zum Projekt „Verkehrsauskunft Österreich“ (VAO) abgeschlossen. Im Rahmen des Projekts VAO wurde eine österreichweit einheitliche, intermodale Online-Verkehrsinformationsplattform errichtet. Die ARGE ÖVV übernahm dabei initial die Agenden und auch das Projektbudget der ÖBB, welche kurz zuvor das Projektkonsortium verlassen hat. Die ARGE ÖVV hat im Zuge dieses Projektes viele Investitionen vorgenommen um das gemeinsame Ziel, eine österreichweite intermodale Tür- zu Tür-Auskunft, zu erreichen. 

2012 wurde die „Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Verkehrsverbund-Organisationsgesellschaften“ als Gesellschaft bürgerlichen Rechts von den Gesellschaften Verkehrsverbund Ost-Region (VOR), Oberösterreichischer Verkehrsverbund (OÖVG), Salzburger Verkehrsverbund (SVV), Verkehrsverbund Tirol (VVT), Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) und Steirischer Verkehrsverbund (VSTG) gegründet, um gemeinsam als Projektpartner im Projekt VAO aufzutreten.

Im Juli 2013 wurde der interimistische Betrieb der VAO eingerichtet. Die ARGE ÖVV übernahm von Anfang an alle Agenden betreffend den öffentlichen Verkehr und der intermodalen Schnittstelle hin zum Individualverkehr. 

In Vorbereitung für die Gesellschaftsgründung der VAO GmbH musste die ARGE ÖVV neue rechtliche Strukturen finden und wurde daher 2015 in eine Offene Gesellschaft (OG) überführt. Im Oktober 2015 wurde der Gesellschaftsvertrag der Verkehrsauskunft Österreich VAO GmbH von den Gesellschaftern ASFINAG, ARGE ÖVV, ÖAMTC, BMVIT und ÖBB unterzeichnet. Der interimistische Betrieb wurde offiziell am 1.12.2015 in eine GmbH überführt.

Das Competence Center Öffentlicher Verkehr (CCÖV) wurde zwischen ÖBB-Personenverkehr AG und ARGE ÖVV ins Leben gerufen, um einen überregionalen bundesweiten Datenpool für den gesamten ÖV bzw. eine Kommunikationsstruktur, welche die Einbeziehung der relevanten Akteure in die Qualitätssicherung ermöglicht, zu schaffen. Über diesen Datenpool wird die Verkehrsauskunft Österreich versorgt.

Im Geschäftsjahr 2016 startete die Vorbereitung zum geplanten Beitritt des Verkehrsverbundes Kärnten (VKG) in die ARGE ÖVV, gesellschaftsrechtliche und technische Details wurden geklärt.

Die VKG trat mit 01.01.2017 in die OG der ARGE ÖVV ein und übernahm somit alle Rechte und Pflichten der bestehenden Gesellschafter.

ORGANIGRAMM

NEUERUNGEN 2019

Fachbereich Planung

Die ARGE ÖVV wird im Jahr 2019 um den Fachbereich Planung erweitert und übernimmt in Zuge dessen gemeinsam mit der Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (SCHIG) die österreichweite Datenkoordination der Infrastrukturnetze im Fahrplanbearbeitungssystem (FBS) für die Verkehrsverbünde und organisiert den Datenaustausch.

Im April hat im Zuge dessen Herr Dipl.-Ing. Tobias Schatz als Mitarbeiter Planungskoordination SPNV begonnen und leitet seither, unterstützt durch die VOR Planung, die Arbeitsgruppe Schienenplanung zum Aufbau des österreichweiten Schieneninfrastrukturnetzes in FBS. 

Geschäftsleitung

Ebenso im April fand ein Wechsel in der Geschäftsleitung statt. Valerie Mayr hat von Stefan Mayr die Leitung übernommen und führt das Team als Teilzeitkraft.

Arbeitsgruppen

Im Laufe des Jahres wurden die Arbeitsgruppen weiter professionalisiert. Die Arbeitsgruppen sollen verstärkt als Fachgremien genützt werden, um nötige Aufgaben und Projekte zu identifizieren und zu diskutieren. 

Derzeit bestehen die Arbeitsgruppen AG Fahrgastinformation, AG Busplanung, AG Schienenplanung, AG Fahrgastzählung, AG Recht & Vergabe, AG Marketing und Kommunikation und AG Tarif. Jede Arbeitsgruppe verfügt über eine/n Leiter/in und agiert unter dem Deckmantel der ARGE ÖVV. 

PROJEKTE

ÖV2022

Die Projektziele leiten sich unmittelbar aus dem Regierungsprogramm 2017-2022 und den Beschlüssen der Landesverkehrsreferentenkonferenz vom 27.4.2018 ab. Die Systempartner des öffentlichen Verkehrs (ARGE ÖVV, ÖBB, Mobilitätsplattform Österreich) kommen ihrer gemeinsamen Verantwortung nach und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der verkehrspolitischen Ziele:

Extern: Gemeinsam verbessern die Partner den Kundennutzen durch tarifliche und vertriebliche Innovationen, um die Stellung des öffentlichen Verkehrs (ÖV) auch in der Mobilitätskette der Zukunft zu stärken. Dazu werden im Projekt konkrete Vorschläge erarbeitet und zur Umsetzung gebracht wie insbesondere die Umsetzung einer ÖV-weit eindeutigen Kundenkennung, die Etablierung eines Kundenbindungsprogramms oder die Schaffung der Grundlagen eines „Österreichtickets“.

Intern: Gemeinsam stärken die Partner den ÖV durch mehr Kollaboration – etwa durch ein ÖV-Kooperationssystem nach Schweizer Vorbild (CH-Direkt), Nutzung von Synergiepotenzialen, Schaffung einer gemeinsamen ÖV-Vertriebsinfrastruktur unter Berücksichtigung und allenfalls Verknüpfung bestehender Systeme, transparentere Verrechnungsströme, gemeinsame Prozesse und IT-Systeme. Erste Schritte bis Projektende 2022 sind die technische Umsetzung einer ÖV-ID und die Prüfung und allenfalls Umsetzung einer gemeinsamen Kundenbasis. 

Umsetzung: Gemeinsam ermöglichen die Partner diese positive Zukunftsentwicklung durch Konzeption sowie gegebenenfalls Errichtung einer gemeinsamen Organisation bzw. eines Umsetzungsvehikels. Das Projekt soll letztendlich in eine oder mehrere „Folgeorganisationen“ überführt werden, die die Umsetzungund zukünftige Weiterentwicklung der Tarif- und Vertriebslandschaft des ÖV gewährleisten.

DOMINO

Das Forschungsprojekt DOMINO (Drehscheibe für intermodale Mobilitätsservices und -technologien) stellt ein Leitprojekt zur Mobilität der Zukunft mit Fokus auf Integrierte Personenmobilität dar. Projektziel ist es, die Entwicklung eines durchgängigen, öffentlich zugänglichen Mobilitätsangebotes, das möglichst barrierefrei von den NutzerInnen in Anspruch genommen werden kann und die Mobilitäts- und Klimaziele der öffentlichen Hand unterstützt. Die ARGE ÖVV ist als Konsortialpartner im Projekt DOMINO vertreten und wird hier vorrangig eine beratende Rolle einnehmen. 

MaaS miA

Im Zuge von Mobility as a Service – made in Austria (MaaS miA) beschäftigen sich einzelne MitarbeiterInnen vertiefend mit der Integration von Mikro-ÖV in den Auskunftssystemen. Eine korrekte Abbildung ist im Hinblick auf eine nachstehende Buchung unverzichtbar. Derzeit werden daher Überlegungen für ein Ampelsystem angestellt, um eine Konkurrenzierung des ÖV zu vermeiden und den Disponenten eine korrekte Fahrtmöglichkeit anzubieten. 

Prio A

Die ARGE ÖVV wirkt als Experte bei dem Projekt Prio Austria (Prio A) im Rahmen der Umsetzung der EU-Direktive 2010/40/EU zur Einführung Intelligenter Verkehrssysteme im Straßenverkehr (IVS) mit. Dabei sollen unter anderem einheitliche Schnittstellenformate für den Austausch und die Weiterverwendung von statischen Reise- und Verkehrsdaten ermöglicht werden. Im Jahr 2019 wurde im Zuge des Projektes Prio A der NAP (National Access Point) seitens AustriaTech umgesetzt und das Konzept einer Schnittstelle zur Bereitstellung von Solfahrplandaten im NeTEx Format erstellt. Die Einrichtung einer NeTEx Schnittstelle am Datensammelsystem wurde nach reiflicher Überlegung bei Firma Mentz GmbH beauftragt.

Datenfußwege

Bereits in vielen Regionen österreichweit, hat die ÖBB-Infrastruktur Indoor-Fußwege in die Graphenintegrations-Plattform (GIP) integriert. Diese werden im Datenverarbeitungsprozess der ARGE ÖVV genutzt, um die Fußwege beim ÖV-Umstieg korrekt darzustellen. Derzeit finden letzte Implementierungen statt. Anschließend startet die inhaltliche Testphase und die Planung der produktiven Verwendung der neuen Inhalte.

HIM 3.0 

Im Rahmen der Weiterentwicklung der Störungskommunikation wurde der HIM (HAFAS Information Manager)auf die neue Version 3.0 migriert und damit einem generellen Re-Design unterzogen. Eine neue Logik die betroffenen Fahrten zu ermitteln ermöglicht es, die Meldungserfassung nun schneller und präziser durchzuführen. Durch ein „Dashboard“ wird eine bessere Übersicht über aktuell aktive oder relevante Meldungen erzielt und die Kommunikation der User untereinander unterstützt. Weiters gibt es nun auch die Möglichkeit, Meldungen in der intermodalen Störungskarte anzuzeigen oder via Push-Alarm in Echtzeit an mobile Geräte zu kommunizieren.

FBS-Projekt (Schieneninfrastrukturnetze in Partnerschaft mit der SCHIG)

Mit dem Aufbau des Fachbereichs Planung wurde mit der Umsetzung eines österreichweiten Schieneninfrastrukturnetzes begonnen. Dieses umfasst das gesamte österreichische Schienennetz sowie relevante Strecken im Ausland und dient als Grundlage für die Planungsstellen bei den Verbünden und Ländern. Dafür kommt das Fahrplanbearbeitungssystem (FBS) zum Einsatz. Nach Vorbereitungen in den Jahren zuvor wurde das Projekt im Jahr 2019 in enger Abstimmung mit den Planungsstellen bei den Verbünden und Ländern sowie der SCHIG mbh, welche als strategischer Partner dient, gestartet. Nach der Fertigstellung 2020 wird das österreichweite Schieneninfrastrukturnetz weiter aktualisiert und ausgebaut.

Sondierung Mikro-ÖV

Gemeinsam mit Verkehrplus GmbH wurde eine Sondierung zum Thema Mikro-ÖV in Österreich erarbeitet. Dabei wurde im Rahmen eines Workshops sowie einer Online-Befragung ein Überblick über die aktuelle Situation des Mikro-ÖVs in Österreich geschaffen sowie die Bedürfnisse, Anforderungen und Rahmenbedingungen solcher Verkehre ermittelt. Im Endbericht zur Sondierung wird abschließend auch auf die Vision des Mikro-ÖVs als Baustein des ÖV-Gesamtsystems eingegangen und planerische, technologische und organisatorische Ansätze zur Durchführung präsentiert.