1-2-3-Ticket: Kundenakzeptanz bei gleichzeitige Einführung am höchsten

Lisa-Marie Stauffer/ Dezember 28, 2020

1-2-3-Ticket als Gesamtpaket sehen und den Menschen Wahlfreiheit geben

Niederösterreich/Burgenland/Wien (OTS) – Im Rahmen einer im Dezember von Karmasin/IHS erstellten österreichweiten repräsentativen Studie zur Einführung des 1-2-3-Klimatickets sprechen sich im Vergleich der Systeme 66% der Befragten in Bezug auf den Einführungszeitpunkt für eine gleichzeitige Einführung aller Stufen des Tickets aus. Nur 17% ist der Einführungszeitraum egal. Gefragt nach der Popularität der unterschiedlichen Ticket-Stufen liegt das 1er-Ticket klar vorne: 32% würden das 1er-Ticket bei gleichzeitiger Einführung kaufen. Das 2er- und 3er- Ticket liegen in der Gunst der Befragten mit rund 10% weit zurück. Angesichts dieser Zahlen appelliert der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) einmal mehr, das 1-2-3-Klimaticket als Gesamtpaket zu sehen „und den Menschen Wahlfreiheit zu geben“. Die Studie von Karmasin/IHS wurde von VOR in Auftrag gegeben, 2.019 Menschen wurden im Rahmen der Studie österreichweit befragt. 

Wie auch immer der Energiemix der Zukunft aussehen wird – ob die Menschen vermehrt mit elektrischer Energie, Wasserstoff oder synthetischen Treibstoffen unterwegs sein werden – klar ist: Eine positive Mobilitätswende kann nur auf der Basis eines starken, effizienten öffentlichen Verkehrs stattfinden. Entsprechend unterstützen die MobilitätsexpertInnen des VOR Maßnahmen, welche Leistungsfähigkeit und Akzeptanz des Öffentlichen Verkehrs stärken – wie das 1-2-3-Klimaticket, das in Kombination mit einer entsprechenden Angebotsoffensive ein Meilenstein auf dem Weg zu einem nachhaltigen Mobilitätssystem sein kann. Daher werden intensive Gespräche etwa zu Ticketing, Vertrieb, Kompensation von Einnahmeausfällen etc. mit voller Energie vorangetrieben. 

„Wenn alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel haben, dann können wir alle Hindernisse auf dem Weg dorthin auch gemeinsam überwinden“, so VOR-Geschäftsführerin Karin Zipperer und VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll. Insbesondere die Notwendigkeit einer neutralen Ticketing-Plattform wird hierbei als eines jener Details benannt, welche noch einer Lösung harren. „Jede Mobilitätspartnerin, jeder Mobilitätspartner muss natürlich weiterhin das tun können, was nur sie oder er am besten kann: Die eigenen Kundinnen und Kunden betreuen, servicieren und beraten“, unterstreicht Karin Zipperer, welche sich als VOR-Geschäftsführerin für ein reibungsloses Zusammenspiel von immerhin rund 40 Verkehrsunternehmen in der österreichischen Ostregion mitverantwortlich zeichnet. 

1-2-3-Ticket: Wann was umsetzen?

Das 1-2-3-Klimaticket besteht laut Regierungsprogramm als Gesamtpaket aus drei Stufen: Einem österreichweit gültigen 1er-Ticket um € 1.095, einem 2er-Ticket für zwei Bundesländer und einem 1er-Ticket für ein Bundesland (wie es z.B. Wien bereits 2012 mit großem Erfolg umsetzen konnte). Eine Kernfrage bei der Produkteinführung ist nun, ob alle drei Stufen in Einem umgesetzt werden sollen oder ob eine stufenweise Einführung mehr Menschen anspricht, bzw. ob derartige Fragen überhaupt einen Unterschied machen. „Wenn der Bund Steuergeld einsetzt, um Tarife zu stützen und mehr Menschen zu Öffifahrerinnen und -fahrern zu machen, dann stehen wir alle in der Verantwortung, diese Gelder auch so effizient wie möglich einzusetzen“, so Schroll.

„Wir wollten daher wissen: Wie können wir die meisten Kundinnen und Kunden gewinnen, wie können wir mit einem 1-2-3-Klimaticket das meiste für unser Klima, unsere Umwelt herausholen?“, so Zipperer, welche eine repräsentative Studie zu eben diesem Thema angestoßen hat. Karmasin Research & Identity wurde beauftragt, zu untersuchen, welches Einführungsszenario das erfolgversprechendste wäre. 

Sophie Karmasin: Menschen wollen Ticketlösung aus einem Guss

„Um eine klare Aussage zu ermöglichen, wurden zwei Gruppen aus je 1.000 Personen zwischen 18 und 62 Jahren, die zumindest zwei regelmäßige Wege pro regulärer Arbeitswoche mit einem Verkehrsmittel oder PKW unternehmen, vor je ein Szenario gestellt: 1. Die Einführung eines 1-2-3-Tickets in Einem oder 2. eine stufenweise Einführung“, so Studienleiterin Sophie Karmasin, welche das Ergebnis auf den Punkt bringt: „Es zeigte sich in überraschender Klarheit, dass das gleichzeitige 1-2-3-Ticket stark präferiert wird.“

Eindeutiges Studienergebnis: 1-2-3-Ticket aus einem Guss wird bevorzugt

  • 66% spricht die gleichzeitige Einführung in Bezug auf den Einführungszeitpunkt mehr an, 8% die schrittweise, 17% ist es egal und 9% spricht keine Variante an.
  • Generell wird die gleichzeitige Einführung von den BefürworterInnen stärker bevorzugt als von denen, die die schrittweise Einführung präferieren.
  • 51% geben an, dass das gleichzeitige Einführungssystem besser zu verstehen und anzuwenden ist.
  • Fast zwei Drittel denken, dass beim gleichzeitigen Einführungssystem mehr Menschen in Österreich auf den Öffentlichen Verkehr umsteigen werden.
  • Scheinbar paradox: Das österreichweite 3er-Ticket wäre bei gleichzeitigem Start aller Stufen stärker nachgefragt als bei stufenweiser Einführung. 

Weitere Ergebnisse:

1er-Ticket als präsumtiver Verkaufsschlager

Während nach aktuellen Plänen der Bundesregierung die 3. Stufe des Klimatickets (3er-Ticket) im Jahr 2021 als Stand-alone-Lösung umgesetzt werden soll, unterstreicht die aktuelle Studie die übergeordnete Bedeutung eines „Bundesländer-Tickets“, also des 1er-Tickets: 

31% würden im direkten Vergleich der drei Ticketvarianten 2024 das 1er-Ticket bei schrittweiser Einführung kaufen, 32% bei gleichzeitiger Einführung schon 2021. Das 2er- und 3er-Ticket liegen deutlich dahinter. „Dieses angenommene Kaufverhalten liegt im realen Mobilitätsverhalten der Menschen begründet – tägliche Mobilität passiert eben großteils im eigenen Bundesland, bereits wesentlich weniger über eine Bundesländergrenze hinweg, am allerwenigsten pendeln Menschen über mehr als zwei Bundesländer“, so Wolfgang Schroll, der gleichwohl auf den „Ausnahmefall“ Burgenland verweist, wo zahlreiche Wien-PendlerInnen sehr wohl täglich zwei Bundesländergrenzen überschreiten und sich ein entsprechendes Angebot erwarten. 

Auch 3er-Ticket bei gleichzeitigem Start stärker nachgefragt

Überraschender als die erwartete Vorzugsstellung des 1er-Tickets ist, dass die Menschen offenbar selbst das im täglichen Leben vergleichsweise weniger relevante 3er-Ticket eher zu kaufen bereit wären, wenn es gleichzeitig mit den anderen beiden Stufen des 1-2-3-Klimatickets eingeführt werden würde:

„Bei gleichzeitiger Einführung würden 18% der Befragten 2021 das 3er-Ticket (sehr) wahrscheinlich kaufen, während es bei schrittweiser Einführung nur 10% tun würden. Selbst die Attraktivität des 3er-Tickets für sich betrachtet würde durch die schrittweise Einführung also reduziert“, berichtet Karmasin, die darauf aufmerksam macht, dass KundInnen eben die Wahlfreiheit schätzen.

Fazit zum 1-2-3-Klimaticket: Gesamtpaket rasch umsetzen

Die vorliegende Untersuchung lässt nur einen Schluss zu, nämlich, dass eine gleichzeitige Einführung des 1-2-3-Klimatickets angestrebt werden sollte. Die gute Nachricht: Bei offenen, transparenten Verhandlungen auf Augenhöhe könnten die verbleibenden finanziellen und organisatorischen Details rasch gelöst werden. „Wir stehen gemeinsam zur besten Lösung, nur eine gleichzeitige Einführung dieses immer als Gesamtpaket kommunizierten 1-2-3-Klimatickets schafft Vertrauen und kann die Potentiale dieser exzellenten Idee voll ausschöpfen“, appellieren Schroll und Zipperer abschließend. 

Das Projekt wurde von Karmasin Research&Identity und IHS (Institut für Höhere Studien) durchgeführt. Die Studienergebnisse stehen Ihnen zum Download bereit:

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VOR0001. Den Original-Beitrag können Sie hier nachlesen OTS0059, 28. Dez. 2020, 12:23

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